ᐅ General- und Nachunternehmer: Spannungsverhältnis oder Symbiose?

Das Verhältnis zwischen Generalunternehmern und Nachunternehmer ist oft problematisch.  Der Beitrag vergleicht die Situation in Deutschland und den USA.

Quellenangabe: Heilfort, General- und Nachunternehmer: Spannungsverhältnis oder Symbiose? Trockenbau + Akustik, Heft 11/2001, S. 72 – 73

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Zusammensetzung der Stichprobe

Zusammensetzung der Stichprobe

Immer wieder klagen Nachunternehmer über unfaire Verträge und die mangelnde Koordination ihrer Gewerke durch den Generalunternehmer. Eine parallel in Sachsen und Illinois (USA) durchgeführte Befragung belegt unterschiedliche Erfahrungen von Nachunternehmern. Thomas Heilfort stellt die Studie vor.

Beim Benchmarking wird die Position eines Unternehmens im Vergleich zu einem definierten Bezugspunkt beurteilt und analysiert. Für „Trockenbau-Akustik“ sind die Daten der vom Institut für Baubetriebswesen der TU Dresden durchgeführten Befragung speziell für Unternehmen der Gewerke Ausbau, Haustechnik und betriebliche Einbauten ausgewertet worden.

In den USA entscheidet nicht nur der Preis

Kriterien für die Auftragsvergabe an Nachunternehmern

Kriterien für die Auftragsvergabe an Nachunternehmern

In Illinois ist die Vergabe von Bauleistungen weit weniger preissensibel als in Sachsen (Bild 2). Während die sächsischen Nachunternehmer einschätzen, dass aus Sicht ihrer Generalunternehmer der Angebotspreis mit 89 % (Illinois: 60 %) unangefochten an der Spitze aller Vergabekriterien rangiert, halten ihre US-amerikanischen Kollegen mit 90 % (Sachsen: 64 %) das gewerkespezifische Know-how des Ausbau-Nachunternehmers für besonders wichtig. Aber auch andere Kriterien nehmen in Illinois einen bedeutenden Rang bei Vergabeentscheidungen ein. Besonders wichtig sind die Kontaktpflege zum Generalunternehmer mit 88 % (Sachsen: 59 %), die Kooperationsfähigkeit des Nachunternehmers mit 87 % (Sachsen: 73 %) und die Erfahrungen einer früheren Zusammenarbeit mit 83 % (Sachsen: 79 %). Mit jeweils 81 % liegen auf der US-amerikanischen Wichtigkeitsskala der persönliche Eindruck vom Nachunternehmer (Sachsen: 58 %) und das Vorliegen eines Terminplans für die Umsetzung des Angebotes (Sachsen: 73 %) gleichauf. Der Angebotspreis rangiert in Illinois mit 60 % (Sachsen: 89 %) an vorletzter Stelle aller Kriterien, mit 52 % (Sachsen: 56 %) ist nur noch die Referenzliste unwichtiger.

Doch auch wenn bei Vergaben in Sachsen der Preis noch im Vordergrund steht –Erfahrungen aus einer früheren Zusammenarbeit stellen mit 79 % (Illinois: 83 %) bereits das zweitwichtigste Kriterium bei der Auftragsvergabe. Hier gilt es anzusetzen, zum Beispiel durch bessere Zusammenarbeit innerhalb der Branche: Solange die Mehrheit der Nachunternehmer glaubt, der Preis sei das einzige oder zumindest wichtigste Vergabekriterium, wird sich auch immer ein Unternehmen finden, das noch billiger anbietet – mit fatalen Folgen für den wirtschaftlichen Erfolg der gesamten Branche.

Das Know-How wird unterschätzt

Im Rahmen der Untersuchung wurde bei einem großen deutschen Generalunternehmer eine Kontrollbefragung durchgeführt. Die Wichtigkeit gewerkespezifischen Know-hows bei der Vergabe von Nachunternehmerleistungen ist von den GU-Bauleitern mit 97 % (sächsische Nachunternehmer: 64 %) angegeben worden, noch vor dem Preiskriterium, das nach Angabe der GU-Bauleiter mit 86 % weniger wichtig ist (sächsische Nachunternehmer: 89 %). Die Nachunternehmer halten ihr Know-how also für 33 % unwichtiger als die Generalunternehmer. Schätzen die Nachunternehmer die Erwartungen ihrer Auftraggeber nur falsch ein? Oder unterliegt auch der Generalunternehmer trotz anderen Ansprüchen den Zwängen eines sehr preissensiblen Marktes? Sicher ist jedenfalls eines: Die Nachunternehmer sollten ihr gewerkespezifisches Know-how als Kernkompetenz verstehen und dieses Verständnis stärker auch ihren Auftraggebern kommunizieren. Die Generalunternehmer sollten es sich nicht leisten können, zentrale Bauleistungen nur an die jeweils billigsten Nachunternehmer zu vergeben. Erste Partnerprogramme belegen dann auch, dass deutsche Generalunternehmer das Verhältnis zu ihren Nachunternehmern überdenken. Die durchaus richtigen Konzepte müssen sich aber erst noch bewähren. Auch hier lohnt der Blick über den Atlantik.

Bessere Softskills der GU-Bauleitungen in Illinois

In den USA sind die Bauleitungen kooperativer

In den USA sind die Bauleitungen kooperativer

Die für die umfassenden Koordinationsleistungen des Generalunternehmers besonders wichtigen Softskills werden von den Befragten in Illinois in allen Punkten deutlich besser eingeschätzt. Bild 3 zeigt, wie schlecht die Ausbau-Nachunternehmer in Sachsen und Illinois ausgewählte Fähigkeiten und Querschnittsqualifikationen der GU-Bauleitungen bewerten.

So erfolgt eine Hilfestellung bei Schwierigkeiten nur zu 54 % (Illinois: 73 %). Die Betreuung der Nachunternehmer ist mit 56 % (Illinois: 69 %) ebenso mangelhaft wie die Informationspolitik des Generalunternehmers mit 57 % (Illinois: 71 %). Auch die Fachkenntnisse der GU-Mitarbeiter werden von den sächsischen Ausbau-Nachunternehmern mit 61% geringer eingeschätzt als in Illinois (70 %). Verbesserungspotenzial gibt es zudem bei der Kooperationsbereitschaft (63 %, Illinois: 78 %) und beim Auftreten der Mitarbeiter der Generalunternehmer gegenüber den befragten Ausbau-Nachunternehmern (63 %, Illinois: 76 %).

Hohes Niveau bei Auftragsausführung lohnt

Die sächsischen Ausbauunternehmer sind der Meinung, dass Erfahrungen aus einer früheren Zusammenarbeit bei der Auftragsvergabe mit 79 % (Illinois: 83 %) eine wichtige Rolle spielen. Und auch für Folgeaufträge (Bild 4) wird dem Niveau der Auftragsausführung mit 80 % ein hohes Gewicht beigemessen – ein Umstand, der in Illinois mit 67 % deutlich geringer bewertet wird. In den USA steht mit 79 % (Sachsen: 72 %) vielmehr die Qualität bei der Beseitigung von Abnahmemängeln und mit 76 % (Sachsen: 68 %) die Reaktion auf Gewährleistungsmängel im Vordergrund. Das Niveau der Angebotsbearbeitung entscheidet in Illinois zu 75 %, in Sachsen zu 55 % über Folgeaufträge.

Kaum EDV-Einsatz bei der Terminplanung

Gute Leistungen der Nachunternehmer sichern Folgeaufträge

Gute Leistungen der Nachunternehmer sichern Folgeaufträge

In Sachsen wird Schriftverkehr und Dokumentation nach Meinung der Ausbau-Nachunternehmer bereits zu 88 % (Illinois: 72 %) elektronisch abgewickelt (Bild 5). Auch die Kalkulation erfolgt zu 71 % mit dem Computer (Illinois: 67 %). Problematisch ist jedoch die geringe EDV-Nutzung bei der Erstellung von Terminplänen. In Sachsen werden nur 51 % der Terminpläne mit dem Computer angefertigt (Illinois: 53 %). Insbesondere in Anbetracht der Bedeutung eines hohen Ausführungsniveaus sollten sich die Nachunternehmer – gerade im Ausbau – auf dem Gebiet der qualifizierten Planung und Realisierung ihrer Leistungen neue Kompetenzen erschließen. Schnittstellenprobleme zwischen den Gewerken werden besser dort gelöst, wo die Detailkenntnis am höchsten ist: Bei den betroffenen Ausbau-Nachunternehmern selbst. Die qualifizierte Nutzung von Terminplanungsprogrammen erleichtert nicht nur die Arbeit der Bauleitung, sie vermittelt auch ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz. In Verbindung mit einer adäquaten Bauausführung liegen hier Potenziale für eine höhere Zuschlagsquote bei Folgeaufträgen. Ein weiterer, positiver Effekt wäre zudem, dass sich auf diese Weise Bauablaufstörungen und daraus resultierende Mehrkosten vermeiden oder zumindest besser nachweisen ließen.

Schlussfolgerungen für die Praxis

Im Ergebnis der Umfrage bestätigt sich, was auch die gutachtliche Praxis des Verfassers zeigt: Obwohl beide Parteien – der Ausbau-Nachunternehmer ebenso wie der Generalunternehmer – von Störungen bei der Zusammenarbeit unmittelbar betroffen sind, werden in Deutschland anstelle von Verbesserungsvorschlägen oft nur Schuldfragen diskutiert.

Der Vergleich mit den Benchmarks aus Illinois zeigt, dass im Verhältnis zwischen Ausbau-Nachunternehmer und Generalunternehmer noch deutliches Verbesserungspotenzial liegt. Dieses zu erkennen, auszuloten und in die tägliche Baustellenarbeit einzubringen, dazu bedarf es jedoch der Anstrengungen beider Vertragspartner.

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Thomas Heilfort

Sachverständiger für Bauablaufstörungen und Lehrbeauftragter der TU Dresden

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